Überfall auf eigenes Büro

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Staatsanwaltschaft legt Berufung ein Symbolfoto: thinkstock

Zollbeamter aus Rahlstedt angeklagt – Erste Berufungsverhandlung geplatzt

Von Martin Jenssen
Wandsbek/Rahlstedt
Der Einbruch in das Zollfahndungsamt im Bargkoppelweg in Rahlstedt am Abend des 21. Juni 2014 war ein starkes Stück. Da fast alle Zollbeamten und auch viele Polizisten an diesem Abend das WM-Fußballspiel Deutschland gegen Ghana verfolgten, konnte Einbrecher Askin Y. (40), von Beruf eigentlich Rettungssanitäter, im zweiten Stock des Gebäudes ungestört sein Werk verrichten. Er wusste, es
würde sich lohnen.

Beute 120.000 Euro

Im Büro des Zollbeamten Andreas B., der im Bereich der Vermögensabschöpfung tätig gewesen war, riss er den nur schwach gesicherten Tresor aus der Wand und warf ihn aus dem Fenster. Nachdem er selbst das Gebäude wieder verlassen hatte, schleppte er den Geldschrank zu seinem Auto und fuhr davon. Die Beute betrug über 120.000 Euro.
Während des Einbruchs hatte sich Askin Y. jedoch an einer Glasscheibe verletzt. Die Blutspuren überführten ihn als den Täter. Überraschend war dann aber, was er den Polizeibeamten nach seiner Festnahme erzählte. Askin Y. erklärte, sein damaliger Schwiegervater in spe, der Zollbeamte Andreas B. (59) habe ihn zu dem Einbruch angestiftet. Der habe ihm erklärt, wie leicht es sei, in das Gebäude einzudringen und den Tresor aus der Wand zu reißen. Askin Y. lebte damals mit der Tochter des Beamten zusammen. Gemeinsam hatten sie ein Kind. Nach dem Geständnis des Täters wurde auch Andreas B. festgenommen. Beide mussten sie sich im Juni 2015 vor einem Schöffengericht in Wandsbek verantworten. Es verurteilte Askin Y. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Der Zollbeamte Andreas B., der seine Unschuld beteuerte, wurde trotz der belastenden Aussage des Mitangeklagten freigesprochen. „Wir wissen nicht, wer von den beiden recht hat“, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung.

Staatsanwalt legte Berufung ein

Es war ein Urteil, das die Staatsanwaltschaft nicht akzeptieren wollte. Sie hatte eine hohe Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten für den Zollbeamten gefordert und
legte Berufung ein. Deshalb muss der Fall nun vor dem Hamburger Landgericht neu verhandelt werden. In seiner Vernehmung beteuerte Andreas B. erneut seine Unschuld. Er habe mit Askin Y. keine gemeinsame Sache gemacht. Während des Einbruchs habe er zusammen mit seinen Söhnen das Fußballspiel angesehen. Zuhause habe er aber öfter über die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen im Zollamt geschimpft. Das könne Askin Y. aufgeschnappt haben. Er habe auch einmal im Beisein von Askin Y. den Code für das Schloss des Tresors verraten. Nach der Vernehmung von Andreas B. musste die Berufungsverhandlung vertagt werden. Der wichtigste Zeuge, Askin Y, konnte nicht vor Gericht erscheinen, da er mit einer Verletzung im Krankenhaus lag. Neuer Termin: 18. Dezember.
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