Alle tanzen nach seiner Pfeife

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Horst Schwartau legte vor über 50 Jahren seine Prüfung als Schiedsrichter abFoto: Thomas Hoyer

Horst Schwartau ist seit 28 Jahren Schiedsrichter-Obmann beim Wandsbeker TSV Concordia

Von Thomas Hoyer
Jenfeld/ Marienthal. 40 Unparteiische hören auf sein Kommando: Horst Schwartau leitet seit 28 Jahren als Obmann die Schiedsrichter-Abteilung des Wandsbeker TSV Concordia, dessen Fußballer auch nach der Fusion mit dem TSV Wandsbek-Jenfeld weiter unter dem Namen „Concordia“ spielen.
Wie die meisten seiner Kollegen jagte Horst Schwartau zunächst selbst dem runden Leder nach. „Ein Freund von mir, der in derselben Straße wohnte und bereits Mitglied bei Concordia war, hat mich damals zu einem Spiel mitgenommen“, erinnert sich der heute 66-Jährige. „Von da an war es um mich geschehen.“ Als Steppke von zehn Jahren trat er am 1. April 1958 ebenfalls dem Traditionsverein bei und spielte in verschiedenen Nachwuchsteams, wobei er mit seinen Mannschaftskameraden in der D- und B-Jugend zwei Staffelmeisterschaften bejubeln konnte.

Ein ehemals aktiver Kicker

„In meiner allerersten Partie, in der unser Keeper zur Halbzeit schon sechs Treffer kassiert hatte, habe ich gesagt, das kann ich besser und wurde daraufhin ins Tor gestellt, musste aber noch achtmal hinter mich greifen“, schmunzelt Horst Schwartau, der von da an im gesamten Nachwuchsbereich das Gehäuse hütete, ehe er bei den Herren als Vorstopper eingesetzt wurde. Einer seiner Mitspieler war damals Peter Mensing, heutiger Präsident des WTSV Concordia. Nach einer Meniskusverletzung und damit verbundener Operation beendete der gelernte Fliesenleger, der später als Chemiemeister bei Beiersdorf arbeitete, seine Karriere 1968 als aktiver Kicker. Doch König Fußball ließ Horst Schwartau nicht mehr los. Nach dem er bereits 1962 seine Prüfung als Schiedsrichter abgelegt hatte und seitdem bereits sporadisch bei Jugend- und unteren Herrenspielen zum Einsatz gekommen war, stand er fortan Woche für Woche als Unparteiischer seinen Mann, pfiff Partien bis zur Bezirksliga und fungierte in der damaligen Verbandsliga als Linienrichter. Dabei brachte es bis heute auf über 1500 Einsätze. Gerne erinnert sich Cordis Schiedsrichterobmann auch an ein Freundschaftsspiel am Rothenbaum zwischen dem damals von Felix Magath trainierten HSV und Ali Kairo, das sein Vereinskamerad Bernd Gerhardt leitete, während er selbst als Linie stand. „Zu den Höhepunkten meiner Karriere gehörte außerdem vor vier Jahren die Betreuung des Gespanns um den jetzigen Erstliga-
schiedsrichter Daniel Siebert anlässlich des DFB-Pokalspiels
zwischen meinem Verein und TuS
Koblenz“, erzählt Schwartau, der im Kleingartenverein
„Grüner Weg“ in Wandsbek und in Horn aufwuchs.

Nachwuchs fördern

Inzwischen ist der sympathische Concorde, der 2003 das Helmut-Kerk-Kleinfeldturnier für Schiedsrichterteams ins Leben rief, neben seiner Funktion im Verein als Beobachter auf den Fußballplätzen der Hansestadt unterwegs und greift nur noch bei Not am Mann selbst zur Pfeife. „Heute sehe ich meine wichtigste Aufgabe darin, unseren Nachwuchs zu fördern, die Leistungsschiedsrichter an den großen Fußball heranzuführen und dabei meine langjährige Erfahrung weiter zu geben. Ein Unparteiischer muss selbstsicher auftreten und darf dabei nicht den Kommandeur heraushängen lassen.“

Zunehmende Aggression

Mit großen Unbehagen beobachtet Horst Schwartau die in den letzten Jahren immer mehr zunehmende Aggressivität auf den Fußballplätzen gegenüber den Unparteiischen, die ständigen Beschimpfungen, denen sie ausgesetzt sind, und die Häufung von Spielabbrüchen. „Einen Grund sehe ich darin, dass die Spieler oft zu wenig Regelkenntnisse besitzen, denken, sie seien im Recht. Das führt leider vielfach zu Missverständnissen. Trotzdem lasse ich mich nicht entmutigen, für neue junge Schiedsrichter zu werben. Mir hat dieser Job trotz gelegentlichen Ärgers immer viel Spaß gemacht.“
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