Ein ganz Großer des HSV

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Das Fitness-Geheimnis von Erika und Jochen Meinke: Sport und ein harmonisches Eheleben Foto: tel

Einst sogar im Nationalkader: Jochenfritz Meinke aus Oldenfelde wurde 85

Von Michael Hertel
Oldenfelde
Seinen Namen kennen heute nur noch eingefleischte Fans. Dabei war Jochenfritz Meinke einst eine echte HSV-Größe. Am vergangenen Freitag beging der Oldenfelder seinen 85. Geburtstag – und flüchtete mit Ehefrau Erika vor dem Trubel nach Lüneburg. Die Erfolge des Fußballers „Jochen“ Meinke können sich sehen lassen: Als Kapitän der Seeler-Truppe erreichte er zwischen 1956 und 1963 fünf Pokal- und Meisterschaftsendspiele, holte einen Deutschen Meistertitel (1960), einmal den DFB-Pokal (1963), dazu insgesamt 13 Norddeutsche Meister- und vier Pokaltitel. Das Fußball-Fieber hatten schon seine aus Stralsund zugezogenen Eltern in dem Hamburger Jung geweckt. Der wollte während des Krieges dem Verein seiner sportlichen Vorbilder beitreten. Doch die Mutter verbot es, weil ihr die weite Reise zum Trainingsgelände in Ochsenzoll bei den Bombenangriffen zu gefährlich erschien. Deshalb kickte Meinke im Stadtpark und beim SC Sperber um die Ecke. Doch schon im Juli 1945 wechselte er zum HSV und durfte sofort mit Uwes Bruder Dieter Seeler zusammen spielen. Vier Jahre später war es schließlich der neue Trainer „Schorsch“ Knöpfle, der Meinke für die Oberliga-Mannschaft entdeckte. „Plötzlich durfte ich mit Männern wie Rohrberg, Wojtkowiak und Posipal zusammen spielen, von denen ich mir vorher Autogramme geholt hatte. Als ich sie siezen wollte, erklärten die mich für verrückt“. An sein erstes Punktspiel gegen Hannover 96 (9. Oktober 1949, Endstand 5:2) erinnert er sich noch ganz genau.
Dabei hatte Meinke, der im Hauptberuf auf der Tankstelle seines Vaters arbeitete, lange gezögert, vom Amateur in den Vertragsspielerstatus zu wechseln. „Vertragsspieler erhielten in den 50-er Jahren um die 320 Mark im Monat. In meinem Beruf hatte ich gerade mal die Hälfte. Bei Endspielen um die Deutsche Meisterschaft zahlte der HSV sogar 250 Mark pro Spiel. Da verdiente ich in sechs Wochen so viel wie in acht Monaten bei der Arbeit“, erinnert sich Meinke. Bald stand er sogar auf dem Sprung in die Nationalmannschaft, gehörte vor der WM zum erweiterten Kader. „Anfang 1954 trat ich mit der B-Nationalmannschaft gegen die Schweiz an, spielte schlecht und war draußen.“ Der Rest ist bekannt: Mit Jupp Posipal und Fritz Laband stellte der HSV zwei Weltmeister, aber für Jochen Meinke war das Thema Nationalmannschaft gegessen. Mitte der 60er Jahre, die Familie war nach Oldenfelde umgezogen, hängte Meinke die Fußballschuhe an den Nagel, übernahm die Pachttankstelle seines Vaters und arbeitete bis ins neue Jahrtausend für den HSV-Nachwuchs. Mit Ehefrau Erika, einer leidenschaftlichen Tennisspielerin, besucht er noch heute jedes Heimspiel. Letztes Jahr feierte das Paar mit zwei erwachsenen Kindern und vielen Freunden Diamantene Hochzeit. Alle drei Wochen trifft sich Meinke im Gasthaus Oldenfelde mit ehemaligen Sperber-Mitspielern. Und wie steht es um Meinkes Lieblingsverein? „Nach drei schlechten Jahren geht es wieder aufwärts, da bin ich ganz optimistisch“.
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