Ziemlich kalt da unten

Anzeige
Rassiges Eishockey gibt es nicht nur in der DEL zu sehen Foto: Crocodiles
 
Bleibt optimistisch: Crocodiles“-Manager Nils Abraham, der selbst gern mal zur Kelle greift Foto: tel

Eishockey-Team Crocodiles am Tabellenende. Geringes Zuschauer-Interesse

Von Michael Hertel
Farmsen
„Es ist die erwartet schwere Saison“, erklärt Nils Abraham (62). Abraham ist der Marketingmanager der Crocodiles Hamburg, dem Eishockey-Aushängeschild des Bezirks Wandsbek. Die Heimspiele werden in der altehrwürdigen Eissporthalle Farmsen („Eisland“) ausgetragen. Und in der 2300 Plätze fassenden Arena am Berner Heerweg verlaufen sich bei Heimspielen schon mal 200 Zuschauer. Die Ursachen für die mangelnde Resonanz sind vielfältig (siehe auch Kommentar). Die „Krokodile“ spielen in der frisch reformierten Oberliga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse hinter DEL und DEL II.

Gefährliche Gegner


Eine Zeit lang hatte man es sich unter annähernd gleichstarken Teams des Nordens gemütlich machen können. Nun kamen spielstarke Teams aus dem Westen und sogar der niederländische Rekordmeister Tilburg Trappers dazu. Da setzt es seit September ordentlich Prügel. Inzwischen ist man mit der schlechteten Tordifferenz (32:92) Tabellenvorletzter unter 18 Teams. Und welcher Fan lässt sich auf Dauer gern Niederlagen vorsetzen? Gerüchteweise sollen Sponsoren vor dem Absprung sein, und ausgerechnet in der Jubiläumssaison (25-jähriges) droht der sportliche Abstieg. Doch Abraham bleibt optimistisch: „Von abspringenden Sponsoren weiß ich nichts. Und sportlich werden wir uns fangen. Die Mannschaft war zu Saisonbeginn neu zusammengestellt. Es gab langwierige Verletzungen von Leistungsträgern, die aber jetzt wieder zur Verfügung stehen.“
Gerade noch rechtzeitig, kann man nur hoffen. Denn als nächstes stehen zwei Heimspiel-Highlights an: zunächst gegen die starken „Hannover Indians“ (Freitag, 11. Dezember, 20 Uhr) und dann der Kampf mit dem Lokalrivalen HSV (Freitag, 18. Dezember, 20 Uhr) um die Hamburger Silbermedaille hinter den Freezers (DEL). Abraham: „Ich bin mir sicher, dass wir auch in der nächsten Saison in Farmsen gutes Oberliga-Eishockey präsentieren können. Mittelfristig wollen wir Eishockey-Team Nummer zwei in der Hansestadt werden.“

Kommentar: Ein Jammertal namens deutsches Eishockey
Ohne Basis ist alles nichts. Das gilt im besonderen Maße für das deutsche Eishockey. Teams wie Drittligist Crocodiles Hamburg sollten die Basis sein für eine leistungsstarke, attraktive Sportart mit sportlicher Perspektive (Aufstiegsmöglichkeit) bis in die höchste Spielklasse. Doch wie soll man das schaffen, wenn um einen herum seit Jahrzehnten die Konzeptlosigkeit regiert? Seit dem Wechsel von der Eishockey-Bundesliga zur amerikanisierten DEL ist im deutschen Eishockey nichts besser, aber vieles schlechter geworden. Waren deutsche Nationalmannschaften in den 70-er und 80-er Jahren noch WM-Abonnenten auf Plätze zwischen vier und sechs, hat man sich seitdem kontinuierlich von der Weltspitze entfernt. Die obersten beiden Ligen genießen des Status von „closed shops“, und der Rest hängt – sportlich gesehen – in der Luft. Die „Krokodile“ zum Beispiel spielten unter rotierenden Veranstaltern mit wechselnden Modi vorgestern in einer 7-er-Liga, gestern zu Neunt und heute mit 17 Konkurrenten. Allein die Stärkung der (Basis-)Vereine in Verbindung mit koordinierter Nachwuchsarbeit könnte den Abwärtstrend stoppen. Doch wenn im „Gesamtkunstwerk“ deutsches Eishockey pro Saison x-mal der gleiche Gegner auftaucht, der Fan für den Meisterschaftsmodus ein Lehrbuch benötigt und man bei der Frage, in der wievielten Klasse der lokale Verein eigentlich spielt, ins Grübeln kommt, dann läuft etwas grundverkehrt. (Michael Hertel)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige