Flucht, Armutsmigration, Klimawandel - Konsequenzen für die Entwicklungszusammenarbeit

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Der in Hamburg-Wellingsbüttel gegründete Verein „Edget Baandnet e.V.“ (http://www.edget.org/) setzt in Äthiopien ganz auf Zusammenarbeit mit den Menschen und Beratung vor Ort. EDGET praktiziert einen anderen Ansatz von Hilfe: Mit wenig Geld wird viel bewegt, 90% der Projektmittel generiert der äthiopische Partner mittlerweile in Äthiopien selbst! Der Partner muss Eigenleistungen erbringen, bevor Hilfe aus Wellingsbüttel genehmigt wird.

Wellingsbüttel ist ein ruhiger Stadtteil, an dem die globalen Entwicklungen vorbeizuziehen scheinen. Dennoch sollten wir es wagen, einen Blick über den Tellerrand zu werfen...
Umsturzversuche (Türkei), Terrorakte in Beirut, Bagdad, in Ägypten und Syrien, in Frankreich und jetzt insbesondere nach NIZZA - von den schwelenden Konflikten im Südkaukasus mal abgesehen - die Welt im Sommer 2016 ist nach der sog. Eindämmung der "Flüchtlingsströme" nicht besser geworden. Wir scheinen uns auf UNRUHE einstellen zu müssen. Der Terror sorgt seit Jahren dafür, dass Menschen vor dem IS fliehen. Urlauber orientieren sich um und "entdecken" wieder heimische Gefilde.

Wir sollten dabei klar bleiben, es geht bei FLUCHT um sehr menschliche Reaktionen auf traumatische Erlebnisse. Bürger reagieren verständlicherweise mit Verunsicherung. Wissen sollten wir, dass z.B. "nur" 6% der 11,8 Mio. vertriebenen Syrer hierher kommen (ein Großteil davon verbleibt in der Türkei, in den Nachbarländern oder sind Binnenflüchtlinge)! 50 Mio. werden in naher Zukunft voraussichtlich allein in AFRIKA durch den KLIMAWANDEL hungern... wird geschätzt. Es gibt 65 Mio. Flüchtlinge weltweit, von denen hier bisher "nur" knapp 1% erwartet werden. Die meisten flüchten in Nachbarländer. Die Türkei hat bislang schon 2,5 Mio. Flüchtlinge aufgenommen, arme Länder wie Äthiopien und Tansania nehmen bis zu 1 Mio. auf!

Und so sieht es zur Zeit in Äthiopien aus: 500.000 Kinder und insgesamt 20 Mio. Menschen sind durch den KLIMAWANDEL vom Hunger bedroht... http://http://www.heute.de/duerre-katastrophe-in-a... ... ein Überblick weltweit zeigt die Problematik vollständig auf: http://www.heute.de/duerre-phaenomen-weltweit-fueh...

Es wird höchste Zeit, dass wir umdenken und uns in irgendeiner Form engagieren. Die Dinge so laufenzulassen ist gefährlich! Wir haben uns einige Jahrzehnte um uns selbst gedreht und die Welt nicht wahrnehmen wollen, wie sie ist - KLIMAWANDEL, Armut, Hunger, Krieg und Überbevölkerung. Alle Probleme der letzten Jahrzehnte wurden erfolgreich verdrängt. Die Entwicklungen der letzen 30 Jahre wurden zwar von vielen Fachleuten reflektiert, analysiert, dokumentiert - Migrationsforscher warnen seit Jahren - aber wir Bürger haben dies höchstens zur Kenntnis genommen, ohne die „Politik“ wirklich aufzufordern, Position zu beziehen. Alles war irgendwie weit weg. Der Erhalt der eigenen Arbeitsplätze, unsere RUHE im Stadtteil war uns wichtig(er), wir vergaßen, Entwicklungshilfe wirksamer zu gestalten - jetzt das Gebot der Stunde!

Mit Exporten halten wir unseren Lebensstandard aufrecht


Dazu gehören auch Waffen-, Agrar- und Textilexporte, die woanders Unheil anrichten. Im letzten Jahr verdoppelte die Bundesregierung die Waffenexporte, statt sie zu reduzieren! Wir exportieren Panzer, Schnellfeuerwaffen nach Saudi Arabien, die im Jemen und Syrien zum Einsatz kommen. Deutsche Waffen und Ausbilder erreichen die Kurden, die gegen den IS kämpfen sollen, während Nato-Partner Türkei Al Qaida und den IS mit Waffen versorgt. Je nachdem, wie es ins Bild passt, welche (Rohstoff-) Ressourcen eines Landes Begehrlichkeiten wecken, freunden sich Außenpolitiker mit Terroristen, Rebellen, Freiheitskämpfern und Diktatoren an und Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechte sind dann nur Lippenbekenntnisse. Hinter allem stecken geostrategische Überlegungen, die auf dem Rücken der Bevölkerung, insbesondere von Frauen und Kindern ausgetragen werden. Was haben wir uns eigentlich gedacht? Verkaufen wir etwa Waffen, die nicht benutzt werden können? Hier muss ein Schlusspunkt gesetzt werden! Aber auch andere Exporte können kontraproduktive Wirkungen haben. Beispiele aus unseren deutschen Projekten: Obstbaumsetzlinge kommen aus Spanien, obwohl das afrikanische Land sie ausreichend selbst produziert. Gewebte Bettdecken aus England werden für ein Ausbildungshotel nach Äthiopien geliefert, obwohl es Tausende von Webern vor Ort gibt, die die Beschäftigung benötigten. Wir schaffen unser überschüssiges, subventioniertes Hühnerfleisch nach Ghana und machen den Geflügelbauern dort arbeitslos, um dann wieder "Entwicklungshilfe" anzubieten. Unsere exportierte Second-Hand-Kleidung gefährdet anderswo Arbeitsplätze von Näherinnen... Geht´s noch?

Wie weiter in der Entwicklungshilfe?


Der Entwicklungshilfe kann nicht generelles Versagen unterstellt werden, wenigstens die Kindersterblichkeit in armen Ländern ist ja rückläufig, und sicher gibt es das eine oder andere positive und nachhaltige Projekt, das mit deutschem Geld gefördert wurde, aber unabhängig vom finanziellen Beitrag ist festzuhalten, dass die staatliche Entwicklungshilfe nur vordergründig die wirtschaftliche, soziale und medizinische Entwicklung - beispielsweise Afrikas - im Blick hat. Wir registrieren auch gerne "Side-Effects" auf unsere eigene Wirtschaft. Effektive Hilfe wäre mit einem Überdenken der EU-Exporte, mit Schuldenerlass bzw. anderer Schwerpunktsetzung sinnvoller. Und, wie die ZEIT bemerkt: "MIGRATION ist der effektivste Entwicklungsbeschleuniger, den es gibt. Das läge vor allem an den Rücküberweisungen: Nach Schätzungen der Weltbank transferierten Migranten im Jahr 2012 etwa 406 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer, das ist mehr als das Dreifache der öffentlichen Entwicklungsgelder." Zeit, 14.10.2013.

Einheimische Fachkräfte einsetzen, Investments verstärken


Wir müssen mehr die Intelligenz vor Ort nutzen und die einheimischen Fachleute machen lassen - Hilfe zur Selbsthilfe durch gezielte Beratung - natürlich gut kontrolliert, wenn Spendengeld eingesetzt wird, anstatt der Welt erklären zu wollen, wie es geht! Konsequent hieße das auch: die Zahl deutscher "Experten" stark reduzieren! In Ländern mit einer 3.000jährigen Geschichte, wie Äthiopien, ist Hilfe eine komplexe Aufgabe, wie bereits gescheiterte deutsche Projekte bewiesen haben. "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint". Einfache Lösungen gibt es nicht, aber ermutigende Ansätze! So sind Investments in Äthiopien gern gesehen, vor allem da sonst die Hauptakteure (China, Indien, Saudi Arabien) allein profitieren und langfristige Beziehungen aufbauen. Deutsche Unternehmer sind allerdings in diesen Ländern selten anzutreffen, obwohl vorhandene Netzwerke (EDGET arbeitet in der Region mittlerweile seit 10 Jahren und ist hervorragend vernetzt) genutzt werden könnten. Die neuen Autobahnen werden somit ausschließlich von Chinesen gebaut.

Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit abstimmen


Die Herausforderung besteht heute darin, den Akt des Denkens mit der "Hitze des Augenblicks" in Einklang zu bringen (Slavoj Žižek). Komplexe Aufgabenstellungen verlangen differenzierte Herangehensweisen. Wichtig wäre beispielsweise die Zusammenführung von Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit: EDGET arbeitet deshalb auch mit SWITXBOARD Wien (Kilian Kleinschmidt, Wien) zusammen. Kilian verfügt über Jahrzehnte Erfahrungen in Flüchtlingscamps. Er ist ein Experte, der die bisherige Arbeit stark kritisiert und innovative Vorschläge bereithält. Seine "Innovation and Planning Agency" entwickelt sich gegenwärtig rasend schnell. http://www.switxboard.net/

Innehalten


Der Traum von stetigem Wirtschaftswachstum wird heute überall auf der Welt geträumt, die Videos vom vermeintlichen "Hollywood"-Lebensstandard im Westen sind in jedem Dorf der Welt erhältlich. Das "immer mehr", "immer schneller", "immer weiter", führt unweigerlich zu neuen Katastrophen und neuen Fluchtursachen, die wir heute noch nicht im Blick haben... und die Menschen beginnen zu wandern in der Hoffnung auf eine sichere und bessere Zukunft!

Gezielte Beratung kann weiterhelfen


Der Autor ist selber 10 Jahre in verschiedenen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit tätig gewesen. Er kennt die staatliche Hilfe von innen und ist heute als Pensionär jmd., der nicht nur konstruktive Kritik übt, sondern immer noch als Berater im Ehrenamt und EDGET-Vorstand tätig ist: Vor kurzem hat Jörn Bernhardt einen ehrenamtlichen Einsatz in der Türkei absolviert, wo es um die Finanzierung eines Behindertenzentrums ging. Der Bürgermeister einer Gemeinde dachte, dass nur die EU die Finanzierung bewerkstelligen könne. Die Tatsache, dass einige hundert Tausend Euro an Finanzmitteln in der Türkei abgerufen werden können, schien ihm unbekannt gewesen zu sein. Davor war BERNHARDT in Tansania, um das Rote Kreuz zu dabei zu beraten, 26 Gesundheitsstationen in einer Region zu finanzieren... auch hier gab es eigentlich alle Lösungsansätze in Tansania selber! Beratungseinsätze, um "Hilfe zur Selbsthilfe" zu befördern sind offenbar notwendig und müssten mehr stattfinden, da nicht nur Gelder aus Deutschland "die Welt retten". Dieser Eindruck ist ja wohl durch das grundsätzliche Versagen der staatlichen Entwicklungshilfe auch nie als nachhaltiger Eindruck bei Kennern der Materie erzeugt worden. Einige neuere Initiativen lassen Raum für Hoffnung auf Besserung.

Auch Hamburger Institutionen und Vereine brauchen Beratung, wie sie den Anteil ihrer Finanzierungsmittel für Entwicklungsprojekte im Land selbst erhöhen können... so wie der Hamburger Nicaragua-Verein, der von dieser Beratung Gebrauch machte.

EDGET braucht Unterstützung


Jüngstes Projekt ist für EDGET die Finanzierung eines Schulbaus in der Unruheprovinz Oromiya /Äthiopien. Hier wurde eine Kooperation von 3 deutschen Vereinen aus Wellingsbüttel vorangetrieben und - das ist die neueste Entwicklung - ein Training absolviert, wie dieses Projekt noch zusätzliche staatliche Mittel erhalten kann. Die Grundprinzipien sind die gleichen: Hilfe zur Selbsthilfe, d.h. die Bevölkerung in diesem weit abseits gelegenen, ländlichen Gebiet wird mithelfen und die Schulverwaltung wird zu Kasse gebeten. Ohne Mithilfe von allen Beteiligten wird kein Spenden-Euro eingesetzt. Dass diese Prinzipien attraktiv sind, merkt der kleine Verein am Spendenaufkommen: Die Grundschule Sethweg sammelte bei einem Sponsorenlauf 5.000 €, die VOX-Kochshow brachte 5.000 € von der Gewinnerin Manuela Petermann, deren Ehemann ein Sternerestaurant in Lübeck betreibt. Die Projektpatenschaften sind stark angestiegen. Ein sehr positiver Trend! Was der Verein benötigt sind weitere Projektpatenschaften, denn die Kernprojekte (Mädchenstipendien und Straßenkinderhaus) sind erst zu 78% durch regelmäßige Patenschaften gedeckt.

Mehr Infos über Edget Baandnet unter http://www.edget.org/
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