Flüchtlingsströme – Hamburg ist auch betroffen

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In Äthiopien Perspektiven schaffen durch Mädchenstipendien (FOTO: EDGET)
Der gemeine Bürger stöhnt: warum müssen denn all die Fremden ausgerechnet nach Europa kommen? Haben wir Hamburger nicht genug Probleme an den sozialen Brennpunkten? Die Auseinandersetzungen um Standorte in Harvestehude und im Alstertal sorgen zusätzlich für viele Debatten in der Presse und am Stammtisch. Hamburg – Das Tor zur Welt?

Als Wellingsbüttler Verein EDGET BAANDNET (= Gemeinsam Wachsen) sammelten wir einmal die Fakten, analysierten sie und untermauerten unseren Ansatz, dass auch in den Herkunftsländern gearbeitet werden sollte, um Probleme gleich von Beginn an zu minimieren. Zugegeben: ein Tropfen auf den heißen Stein, aber seit 2007 entwickelten sich vorzeigbare Ergebnisse.
Hier erst einmal 4 Fakten:
- Im Jahr 2014 nahm das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
173.072 Asylerstanträge an, 57,9% mehr als 2013.
- Insgesamt wurden im gesamten Berichtsjahr 2014 128.911 Entscheidungen über Asylanträge getroffen. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es 80.978 Entscheidungen, was einen Anstieg um 59,2 Prozent bedeutet. (www.bamf.de)
- Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geht in seiner aktuellen Prognose für das Jahr 2015 von einem Zugang von mindestens 300.000 Personen aus.
- Hamburg: Es leben gegenwärtig rund 21.000 Flüchtlinge in Hamburg. Im Jahr 2014 hat Hamburg mehr als 6.600 Flüchtlinge aufgenommen, von denen rund 6.000 in öffentlichen Unterkünften untergebracht wurden. (http://www.hamburg.de/fluechtlinge-daten-fakten/)

Wir betrachten jetzt die Länder, die weltweit am meisten Flüchtlinge aufnehmen. Lt. Neue Züricher Zeitung (www.nzz.ch, 7.4.15) sieht das so aus:

Pakistan, 1,6 Mio. Flüchtlinge, Libanon 1,1 Mio., Iran 980.000, Türkei 820.000, Äthiopien 588.000, Kenia 537.000 … Der Anteil von Flüchtlingen an der Gesamtbevölkerung liegt in Jordanien bei 11% , bei den Industrieländern liegt nur Schweden bei 1,2%, alle anderen liegen darunter. Ein ganz „krasser“ Fall ist das afrikanische Land TSCHAD, ein Land, das zu den ärmsten der Welt gehört (80% leben mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag), hier werden 454.000 Flüchtlinge „beherbergt“. 23.000 Personen teilen sich einen Arzt.

„Es ist eine traurige Ironie der Geschichte, die in den ganzen Migrations- und Asyldebatten oft vergessen geht, dass gerade die ärmsten und instabilsten Länder oft die grösste Flüchtlingslast zu tragen haben.“ (David Signer, in: NZZ, 07.04.2015). Gründe dafür liegen auch in Europa, wie die Böll-Stiftung herausfand: „Wegen Überfischung und Landgrabbing sehen immer mehr Menschen z.B. im Senegal keine Perspektive mehr und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand.“ (http://www.boell.de/de/2015/04/07/wir-sind-hier-we...)

Hamburg ist im Vergleich also nur minimal betroffen! Der grösste Teil der Flüchtlinge flieht, weltweit betrachtet, in einen anderen Teil des Heimatlandes oder in ein sicheres Gebiet in der Nähe der Grenze!

EDGET BAANDNET arbeitet vor Ort, in Awassa, Äthiopien, in der schwierigen Südregion mit ihren 56 Völkern und ebenso vielen Sprachen! Nach mehreren Jahren der Arbeit als Entwicklungshelfer und Regierungsberater in Äthiopien ist unser Vorstandsmitglied Jörn Bernhardt seit 2009 schon 9 Mal vor Ort gewesen, um den äthiopischen Partner zu beraten und die eigenen Projekte umzusetzen. Mitglieder reisten mit, brachten neue Ideen ein, so dass heute das Verhältnis von finanziellen Mittelzuwendungen umgekehrt werden konnte: Waren es noch 90% aller Zuwendungen, die unsere Partnerorganisation im Jahre 2009 für ihr Gesamtbudget erhielt, sind es heute gerade noch 10%. Die Mittel unserer Partnerorganisation werden in Äthiopien selbst eingeworben für Projekte, die die Entwicklung des Landes befördern und kommen aus der EU, den USA, aus Irland und Schweden u.a.: Aufklärung & Kampagnen zu traditionellen Praktiken (z.B. Beschneidung von Frauen), Straßenkinder, Mikrokreditvergabe, Kleinstgewerbeförderung… usw. Die Wellingsbüttler sind im Rahmen des Gesamtkonzepts nach wie vor als Freunde & Berater willkommen, geben Spendengelder für Initialzündungen und das – unter Verwaltungsaspekten – kostengünstigste Projekt der Mädchenstipendien. Wer den Film „Das Mädchen Hirut“ in der Volksdorfer KORALLE gesehen hat, weiß mehr und ist betroffen von der Situation der Mädchen. Äthiopien ist dann ganz nah und doch ist es für die meisten Menschen so weit weg. Wir sind nun auf Dauer mit den Menschen vor Ort verbunden und planen eine „Live, Love & Learn“-Stiftung – der „Tropfen auf den heißen Stein“ soll fühlbar größer werden!
Wer mehr Informationen benötigt, ist hier gut aufgehoben: www.edget.org oder schreibt direkt an info@edget.org .
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