Leitungswechsel im Winterhuder Fährhaus

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Eine Frau leitet die Komödie Winterhuder Fährhaus ab Sommer 2017: Britta Duah löst Intendant Michael Lang ab Foto: Hanke
Hamburg: Hudtwalckerstraße 13 |

Britta Duah wird ab Sommer Intendantin der Komödie und setzt Familientradition fort

Von Christian Hanke
Winterhude/Eppendorf
Sie ist die neueste Überraschung in der Hamburger Theaterwelt: Britta Duah (38), ab Sommer 2017 Leiterin der Komödie Winterhuder Fährhaus. Seit 2007 ist sie Vertriebsleiterin in diesem Theater. Was auf den ersten Blick verwundert: Britta Duah verfügt über keine künstlerische Vorbildung. Dennoch gilt ihre Berufung als folgerichtig. In dem nicht subventionierten Theater packt das kleine Team, maximal 56 Mitarbeiter, überall mit an. Britta Duah kennt das Haus aus dem ff, übernimmt auch Abendspielleitungen. „Wir sind hier eine große Familie. Wir kommen alle sehr gern zur Arbeit. Das ist unbezahlbar“, erzählt die künftige Theaterleiterin. Trotzdem trug sich Britta Duah mit Abwanderungsabsichten. Des Alters wegen. Die studierte Anglistin und Psychologin, seit 2007 praktizierende Betriebswirtin, wollte sich vor einem Jahr noch einmal verändern, suchte einen Job in der freien Wirtschaft. „Ich wollte wissen, was ich noch kann. Das war in meinem Alter der letztmögliche Zeitpunkt“, fand die Vertriebsleiterin. Als sie ihre Absicht der Theaterleitung aus Gründen der Fairness mitteilte, bekam sie das Angebot zu bleiben – als Nachfolgerin von Intendant Michael Lang, der im Sommer 2017 in dieser Position ans Ohnsorg Theater wechselt. „Es fällt einem schwer, das Haus zu verlassen. Einige schaffen es“, sagt Britta Duah schmunzelnd.

Lob für Vorgänger

Sie ist geblieben und darf weiter mit ihrem Team zusammenarbeiten, wenn auch künftig in einem anderen Verhältnis. Vom Wechsel ins Intendantenbüro ist sie gar nicht so begeistert. Sie hat ihre Mitarbeiter gern um sich. Da gibt‘s auch ein dickes Lob an ihren Chef und künftigen Vorgänger Michael Lang: „Hier wird auf Zwischenmenschliches geachtet und man darf seine Meinung sagen. Es ist hier möglich, Privates mit Beruflichem zu vereinbaren.“ Zum Beispiel ihre Mutterschaft, sie hat zwei Kinder im Alter von 7 und 13 Jahren. Duah ist aber nicht erst seit 2007 in der Komödie tätig. Sie kennt das Theater schon aus ihrer Kindheit. Ihre Mutter, Corinna Smolka, war von 1988 bis 1997 erste Pressesprecherin der Komödie. Schräg gegenüber in Eppendorf haben sie gewohnt. Auch heute lebt Britta Duah in dem Nachbarstadtteil von Winterhude. Während des Studiums begann sie bereits, in der Komödie zu arbeiten, an der Kasse, als Mitarbeiterin des kaufmännischen Leiters Michael Forner. Dabei wollte sie eigentlich Polizistin werden, Täterprofile erstellen. Mit einem bekannten Profiler, Thomas Müller, hatte sie im Psychologiestudium bereits zusammengearbeitet. Doch ihre Kurzsichtigkeit vereitelte eine Laufbahn im gehobenen Polizeidienst. So blieb sie in der Komödie, beerbte Michael Forner, als der die kaufmännische Leitung an zwei Berliner Theatern übernahm, die auch der Familie Wölffer gehören.

Unterhaltung pur

Die neue Leiterin möchte übrigens weiterhin Unterhaltung pur wie Verwechslungskomödien mit ständigem Tür auf, Tür zu spielen lassen. „Nur Stücke zum Nachdenken, wie es Martin Wölffer sagte, würde ich nicht wollen“, setzt Britta Duah schon mal eine inhaltliche Duftmarke. Worauf legt die neue Leiterin außerdem Wert? „Kundenkontakt, Mitarbeiter führen“, sagt sie spontan. Das kann sie. Entspannung findet Britta Duah beim Reiten. Sie ist ein Großstadtmensch, liebt die verschiedenen Viertel und Märkte, braucht aber die Erholung auf dem Lande. „Ich genieße es draußen“, sagt sie. Bleibt zu hoffen, dass ihr die Zeit dafür auch ab 1. August 2017 noch bleibt.

Theater vor Aus – trotz Preis

Das Theater Kontraste in der Komödie Winterhuder Fährhaus ist gerade mit dem Pegasus Preis 2016 für das beste Hamburger Privattheater ausgezeichnet worden. Drei Inszenierungen auf höchstem Niveau hatte die Jury erkannt. Die Zukunft der kleinen Bühne im Saal eins des Winterhuder Fährhauses, die sich durch meist zeitgenössische hintergründige Komödien auszeichnet, steht aber trotz dieses künstlerischen Erfolges derzeit in den Sternen. Das Theater Kontraste wird durch einen Verein betrieben, dessen Zusammenarbeit mit dem Winterhuder Fährhaus nicht gesichert ist, da der Initiator des Kontraste Theaters, der derzeitige Intendant der Komödie Winterhuder Fährhaus, Michael Lang, im Sommer als Intendant ans Ohnsorg Theater wechselt. Mitnehmen wird er die kleine Bühne nicht, da das Ohnsorg Theater über eine Zweitbühne, das Ohnsorg Studio, verfügt, die bestehen bleibt. Was also wird aus dem Theater Kontraste? Die künftige Leiterin der Komödie Winterhuder Fährhaus, Britta Duah, begrüßt eine Weiterführung des Theaters Kontraste. Da es aber kaum Gewinne erwirtschaftet und somit auf Spenden und Förderungen angewiesen ist, erscheint eine Weiterführung durch die Komödie nicht selbstverständlich. Die Schließung wäre dagegen ein großer Verlust für die Hamburger Theaterszene.

Weitere Infos: Komödie Winterhuder Fährhaus
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