Theater Kontraste zeigt „Phantom“

Wann? 08.06.2017

Wo? Hudtwalckerstraße 13, Hudtwalckerstraße 13, 22299 Hamburg DE
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Blanca (Sarah Nemitz) trifft auf ihrer Odysee in der „neuen Heimat“ auch auf eine Schaufensterpuppe Foto: Oliver Fantitsch
Hamburg: Hudtwalckerstraße 13 |

Brisantes Thema im Winterhuder Fährhaus. Premiere ist am 8. Juni

Von Kathrin Petersen
Hamburg
Mit „Phantom (Ein Spiel)“ – einem Stück über osteuropäische Zuwanderer – spiegeln Lutz Hübner und Sarah Nemitz die deutsche Gesellschaft und deutsche Vorurteile. Ein hochaktuelles Thema, aufbereitet mit bissigem Humor. Es ist Freitagnacht, das Fast-Food-Restaurant hat endlich geschlossen und die Mitarbeiter beeilen sich beim Putzen und Aufräumen. Doch dann ein Schrei: „Da ist ein Baby!“ Auf einer der Sitzbänke liegt ein Neugeborenes, höchstens einen Tag alt. Schnell sind sich alle einig: Das Kind kann nur von der Roma-Frau zurückgelassen worden sein, die sich kurz zuvor noch dort aufgehalten hatte. Doch wer ist diese Frau? Sie ist Kroatin. Oder Rumänin. Oder Bulgarin. Ganz egal – aus dem Osten halt. Sie ist die Ausgebeutete, das Opfer, die Schmarotzerin, die Tapfere, die Heldin. Sie ist ein Phantom.

Flüchtlingsschicksal

Auf der Suche nach dieser Unbekannten beginnt das „Spiel“ mit einer Rückblende: Blanca – aus irgendeinem Land mit Armutsproblem – wird von ihrer Familie nach Deutschland geschickt. Sie ist die Stärkste und die Klügste von allen. Sie soll den Grundstock legen und die Familien möglichst schnell nachholen in das Land des allgemeinen Wohlstands. Notgedrungen stimmt Blanca zu und durchlebt typische Stationen eines heutigen Flüchtlingsschicksals: der lange Weg in ein fremdes Land, Sprachschwierigkeiten, unmoralische Angebote, Ärger mit Behörden und die Konfrontation mit Rassismus. Blanca schlägt sich durch, nimmt alle Jobs an, die sie kriegen kann und schwebt in ständiger Gefahr, aufzufliegen. Schließlich lernt sie Annika kennen, eine schwangere Hartz-IV-Empfängerin, perspektivlos, bildungsfern, ohne die Kraft, selbstverantwortlich zu agieren. Annika hat noch nie gearbeitet, sieht aber auf die schwer schuftende Blanca aus Osteuropa herab. Sie nimmt sie zwar bei sich auf, aber nur aus einem Grund: Weil sie Hilfe braucht.

Zuschauer erlebt Odyssee

Das besondere an diesem Stück ist, dass es aus der Wahrnehmung des Ankommenden erzählt wird, nicht aus der Sicht eines ob der Begegnung mit der Flüchtlingsthematik ängstlichen und besorgten Deutschen. Der Zuschauer begleitet Blanca auf ihrer Odyssee durch ihr neues „Heimatland“. Dabei wird er mit den Überlebensstrategien von Menschen konfrontiert, die sich durchbeißen, und erfährt gleichzeitig viel über sich selbst und gesellschaftliche Werte, soziale Rollen und Vorurteile. So ist „Phantom“ auch ein Flüchtlingsmärchen und eine Hommage an eine mutige junge Frau, die ganz allein eine Brücke nach Deutschland baut.

Meistgespielter Gegenwartsdramatiker

„Phantom (Ein Spiel)“ von Autor Lutz Hübner und Koautorin Sarah Nemitz rollt das Thema Flüchtling von hinten auf. Im Idealfall guckt der Zuschauer nicht auf den Flüchtling, sondern er ist und fühlt wie der Flüchtling, der nach Deutschland kommt und hat damit die Chance neue Einsichten über sich selbst und über Menschen zu gewinnen, die ihre Heimat verlassen haben. Lutz Hübner, geboren 1964, ist einer der meistgespielten Gegenwartsdramatiker. „Phantom“ entstand als Auftragswerk für das Nationaltheater Mannheim, wo es im September 2015 uraufgeführt wurde.

„Phantom“: Mittwoch, 7. Juni, Donnerstag, 8. Juni (Premiere), Freitag, 9. Juni, Sonnabend, 10. Juni, jeweils 19.30 Uhr, (weitere Aufführungen bis 10. September), „Theater Kontraste“ im Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstraße 13, Eintritt: 26 Euro, ermäßigt 19 Euro, Telefon 480 680 80
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