City Nord: Hamburgs Bürostadt im Wandel

Anzeige
Das gute Klima unter Geschäftsleuten loben Heike Francioli (l.) und Petra Kampermann von „Zwirnfein“ Foto: Haas
 
Wohnen im Zentrum der City Nord ist begehrt: Anwohner schätzen die Ruhe und den Blick aufs Grüne Foto: wh
Hamburg: Mexikoring |

Besonders die Mitte soll schöner werden. Der Osten verändert sich durch viele Neubauten



Von Waltraut Haas
City Nord
Ein wenig besuchter Park gibt der „Bürostadt im Grünen“ ihren Namen. Stadtplaner und Architekten loben die ideale Infrastruktur dieses Geschäftsstandortes: Entworfen von namhaften Architekten in den 60er und 70er Jahren gilt die City Nord als „Europas Modellstadt der Moderne“. Ihre markanten Solitärbauten sind inzwischen mustergültig saniert. „Revitalisierung“ – so will es der bezirkliche „Masterplan City Nord“ seit 2011 – steht jetzt an in der „zentralen Zone“ am Mexikoring und am östlichen Überseering. Das Ende der grauen Tristesse unübersichtlich verschachtelter Betonklötze scheint hier – allmählich – in Sicht.

Größter Wandel seit Entstehung

„Die City Nord erlebt aktuell den größten Wandel seit ihrer Entstehungszeit“, konstatiert Sylvia Soggia von der Interessengemeinschaft GIG City Nord. Der östliche Teil, in den 1960er Jahren errichtet, sei kaum wiedererkennbar durch die Neubauten im letzten Jahrzehnt. Die Telekom bezog bereits ihre Gebäude am Kapstadtring. Nebenan eröffnet bald das Holiday Inn. Dem Hotelneubau gegenüber wird das „Kap 1“, denkmalgerecht saniert, demnächst zum Boardinghouse. Auch das Vattenfall-Gebäude – entworfen von Arne Jacobsen – wird weiterhin den nördlichen Überseering prägen, auch wenn es der Konzern seit kurzem verkaufen will. Nach den Abrissarbeiten der maroden Postpyramide im westlichen Überseering entstehen ab 2018 ein Büroturm und Wohnungen: im Neubauprojekt „Ipanema“. Die GIG City Nord begrüßt die Entwicklung – ebenso die Planung der U5 mit zwei Haltestellen vor Ort. „Jetzt blicken wir gespannt aufs Zentrum, es hat großes Entwicklungspotential“, so Soggia weiter.

Mehr Wohnraum

Dort sieht der Bebauungsplan Winterhude 70 mehr Wohnungen vor – seit 2013 allerdings immer noch im Entwurfsstadium. Eigentümer Maximilan Schommartz plant hier ab 2018 den Umbau seines zwölfgeschossigen Wohnhauses mit 120 Wohnungen, weitere 50 Wohnungen würde ein Neubau bieten, der sich auch zum City Nord Park öffnen soll. Eine Neuentwicklung am Überseering 17 ist durch einen Eigentümerwechsel zu erwarten. „Wir hoffen auf grundlegende Veränderungen, die diesen Bereich attraktiv machen“, sagt Sylvia Soggia. Auch hier wäre eine Wohnbebauung vorstellbar.

Die Mitte wird bunter

Schon der Zuzug des Kult-Möbelhauses „Wäscherei“ am Mexikoring 27 sorgte seit 2012 für mehr Farbe in der „zentralen Zone“. Nebenan herrscht weiter Betriebsamkeit auf kleineren Baustellen. Luigi Maffongelli kommt gerade gutgelaunt von der Arbeit. Jetzt renoviert er die Bäder im Hostel City Nord. „Bis 2019 habe ich hier rundherum wohl gut zu tun“, schätzt der Maler und Stuckateur. Bunt sind etliche kleine Geschäfte, die allerdings nur Fußgängern in „Ebene +1“ auffallen: Exotisch wirken etwa „Zaubertrank“ oder „The Boarder Line“. Oder „Zwirnfein“ von Heike Francioli und Petra Kampermann. „Wir sind hier wie eine Art WG von Unternehmern und Anwohnern, es herrscht ein tolles Klima, wir kennen uns und helfen uns“, erklären die beiden Schneiderinnen. Neben Kurzwaren, Tuchen und Wolle verkaufen sie auch eigene Kreationen, bieten zudem Näh- und Schnittvorlagenkurse an. „Zweimal im Jahr treffen wir uns alle: zum Grillen und zur Weihnachtsfeier.“ Nebenan ist ein Geschäft für Bausanierung: „Der Schimmel muss raus.“ Wo sonst wirkt der Slogan passender? Mittags belebt sich die Fußgängerzone im Zentrum. Firmenangestellte tummeln sich in den Restaurants, erledigen Einkäufe, die City Nord wird bunter.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige