City Nord: Streit um die Post-Pyramide

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Belastungsprobe für Anwohner: Die alte Oberpostdirektion, ein prägendes Gebäude der City Nord, wird abgerissen Foto: wb
Hamburg: Überseering 30 |

Anwohner sind von Lärm und Ratten rund um die Großbaustelle genervt. Der Abriss soll im Sommer 2018 beendet sein

Von Christian Hanke
City Nord/Winterhude
Monika Lorenz traut sich nicht mehr auf ihre Terrasse. Die ältere Dame wohnt im Erdgeschoss an der Sydneystraße nahe der City Nord. Gegenüber wird gerade das markante Gebäude der früheren Oberpostdirektion abgerissen (das Wochenblatt berichtete).

Ratten tanzen Samba

Seit Beginn der Abbrucharbeiten bevölkern Ratten ihre Terrasse. „Seit vier Wochen kann ich hier nicht mehr frühstücken. Die Ratten tanzen Samba auf meiner Terrasse. Eine ist sogar aus meiner Gießkanne gekommen“, erzählt die völlig aufgelöste Frau. Ihre Terrasse hat Monika Lorenz mit vielen Blumen in eine kleine Idylle verwandelt. Doch die ist nun für sie tabu. „So geht es hier vielen Bewohnerinnen und Bewohnern. Für die Mieter an der Sydneystraße ist klar: Die Ratten haben ihr Quartier in der leerstehenden Oberpostdirektion verlassen und sind nun in die Umgebung ausgeschwärmt.

Unzureichend informiert

Auch Dagmar Komatsu ist auf die gegenüberliegende Baustelle nicht gut zu sprechen. „Wir wurden nicht rechtzeitig über den Beginn der Bauarbeiten informiert. Jetzt geht es werktags um 6.30 bis 7 Uhr los“, ärgert sie sich. Ein Bagger haut mit seiner Schaufel derzeit auf den Beton des Gebäudes, um ihn zu zerkleinern. „Das ist furchtbar laut“, findet auch Inga Döbel, die im Wesselyring ganz dicht neben der Baustelle wohnt.

Otto Wulff Bauunternehmung widerspricht

Die für den Abbruch verantwortliche Otto Wulff Bauunternehmung versteht die Aufregung nicht. „Wir haben die Anwohner über Postwurfsendungen vom Beginn der Arbeiten informiert“, berichtet Pawel Kampa, bei Otto Wulff für die Baustelle an Überseering und Sydneystraße zuständig. Ratten wurden auf der Baustelle nicht gesichtet.

Abrissarbeiten bis Sommer 2018

Auch das Bezirksamt Hamburg-Nord glaubt nicht, dass die Ratten aus dem Abrissobjekt von Gegenüber kommen. „Das ist eine Betonwüste und daher kein Lebensraum für Ratten“, erläutert Jan-Peter Uentz-Kahn, der Sprecher des Bezirksamtes. Ratten ernährten sich von Speiseresten. Solcher Abfall sei dort nicht zu finden. Er fordert die betroffenen Mieterinnen und Mieter auf, sich beim Bezirksamt Hamburg-Nord oder bei der Umweltbehörde zu melden, eine Rattenplage müsse sogar gemeldet werden. Zugleich bietet er Hilfe an: „Wir sind die letzten, die sich verweigern, wenn wir um Unterstützung gebeten werden.“ Der Abriss der Oberpostdirektion wird bis Sommer nächsten Jahres dauern.
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