Gedenktafel nach Beschluss vergessen

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So soll sie aussehen, die geplante Gedenktafel für ein Zwangsarbeiterlager am U-Bahnhof Alsterdorf. Wie die Tafel am Bahnhof Barmbek Foto: Hanke
 
An der Ecke Hindenburgstraße /Möringbogen soll die neue Gedenktafel aufgestellt werden Foto: Hanke
WINTERHUDE. Südlich des U-Bahnhofs Alsterdorf existierte zwischen 1942 und März 1945 ein Zwangsarbeiterlager der „Deutschen Arbeitsfront“ für bis zu 1.000 Personen, das „Fremdarbeiterlager Stadtpark“. Die Bezirksversammlung Hamburg-Nord hat auf Antrag von SPD und Grünen jetzt beschlossen, eine Gedenktafel im Bereich des ehemaligen Lagers aufzustellen und die Geschichtswerkstatt Barmbek mit Entwurf und Herstellung beauftragt.

Bereits 1989 sollte eine solche Tafel geschaffen werden. Damals auf Antrag der CDU. Die Initiative verlief offenbar im Sande. Niemand kann sich mehr erinnern. Nur ein Wochenblatt-Artikel dokumentiert diesen Vorgang. Zwischenzeitlich wurde vermutet, die Tafeln seien zwar aufgestellt worden, aber dann verschwunden, eventuell wieder abgebaut. Im Bezirksamt Hamburg-Nord waren sie nicht aufzufinden. Ganz offensichtlich hat es sie nie gegeben.

Nun der zweite Anlauf: maximal 6.000 Euro hat die Bezirksversammlung für die Tafel bewilligt. Die Geschichtswerkstatt Barmbek hat bereits einen Entwurf vorgelegt. Eine beidseitig beschriftete Tafel aus speziell verarbeitetem Aluminum haben die Lokalhistoriker vorgesehen, die in zwei Betonsockeln steckt. „Auf der einen Seite wollen wir in Wort und Bild in kurzen Texten über das damalige Zwangsarbeiterlager am U-Bahnhof Alsterdorf informieren. Auf der anderen Seite über das Zwangsarbeitersystem im Allgemeinen“, erzählt Reinhard Otto, einer der Leiter der Geschichtswerkstatt.

Es wird ein großes Foto von der ganzen Seite angefertigt, das dann verschweißt und versiegelt wird. Darüber kommt eine ablösbare Antigraffittifolie. Die Historiker wollen die Tafel an der Ecke Hindenburgstraße/Möringbogen aufstellen. Diesen Standort sah auch schon der erste Vorschlag aus dem Jahre 1989 vor. „Hier, in der unmittelbaren Nähe des U-Bahnhofs, wird die Tafel gut wahrgenommen.

Das Lager erstreckte sich gegenüber, östlich der Hindenburgstraße, auf einer Fläche, die heute Wohngebiet ist, in Richtung City Nord“, erläutert Reinhard Otto. Zwei Müllconainer an dieser Stelle und eventuell auch eine Litfasssäule müssten versetzt werden. Im Februar 2017 soll die Tafel im Rahmen der Woche des Gedenkens an die Befreiung des KZs Auschwitz aufgestellt werden.

Bis dahin hat Reinhard Otto noch viel zu tun. Denn es gilt die Details zu dem Zwangsarbeiterlager zu recherchieren. Viel ist nicht bekannt. Auch ein Foto hat der Historiker noch nicht. Nur ein Lageplan existiert. Aber Otto weiß: es gibt ein Dokument über eine Besichtigungsfahrt von dem damaligen Gauleiter und Reichsstatthalter Karl Kaufmann und anderen Nazis zu Einrichtungen aller Art in Hamburg. Auch das Zwangsarbeiterlager am Stadtpark wurde damals besichtigt.

Lager im Stadtpark


Diesem Dokument ist Otto auf der Spur. Er erhofft sich davon auch Informationen über zwei weitere Zwangarbeiterlager im Stadtpark, die er als nächstes erforschen möchte. Bis September muss Otto fertig sein. Dann muss die Herstellung der Gedenktafel beginnen. Das dauert etwa vier bis sechs Wochen“, erzählt der Leiter der Barmbeker Geschichtswerkstatt. Denn nun soll diese Tafel endlich Wirklichkeit werden. (ch)
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