Kritik an Bauplänen am Mühlenkampkanal

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Wehren sich gegen die Nachverdichtung: Karl-Lorenz Ottensmeyer, Thomas Voigt und Alexander Holliday (v.l.) Foto: Flüß
 
Die Grünflächen zwischen den Hochhäusern sollen nachverdichtet werden Foto: Flüß
Hamburg: Dorotheenstraße 10-16 |

Initiative „SOS-Mühlenkampkanal“ wehrt sich gegen Nachverdichtung in Winterhude

Von Miriam Flüß
Winterhude
Gegen das Nachverdichtungsprojekt Dorotheen-Kai formiert sich breiter Widerstand. „Was hier an Grün vorhanden ist, ist für ein weiterhin zumutbares Wohnen in dem Quartier essentiell und darf in keiner Form weiter verringert werden“, erklärt die Initiative SOS-Mühlenkampkanal zu der Planung von 120 Wohnungen auf dem Grundstück Dorotheenstraße 10 bis 16 (das Wochenblatt berichtete). „Die Dorotheenstraße ist schon heute dem Verkehr nicht mehr gewachsen. Hier ein Vorhaben wie den Bebauungsplan Winterhude 23 einfach draufzusatteln überfordert die Infrastruktur total.“ Zusätzliche Stellplätze sind seitens des Bauherrn nicht vorgesehen. Die Initiative feiert quasi ihre Wiederauferstehung: Bereits 2009, als die Eigentümerin Robert Vogel GmbH erstmals eine Nachverdichtung mit vergleichsweise wenigen 40 Wohnungen plante, gab es Widerstand. Nun sollen zwischen den bereits bestehenden Hochhäusern sieben Neubauten am Kanal entstehen (das Wochenblatt berichtete). „Man kann Menschen nicht stapeln wie die Bremer Stadtmusikanten“, findet Alexander Holliday von SOS-Mühlenkamp, seit 1992 „glücklicher Mieter“ am Mühlenkamp, gegenüber des geplanten Neubauprojektes. „Uns geht es darum, dass die Fläche kein Baugrund ist.“ Zugeständnis für den Bau der Hochhäuser an der Dorotheenstraße in den 1960er- Jahren sei nämlich die Grünfläche als Ausgleich gewesen. Sorge macht der Initiative auch der möglicherweise mit Asbest kontaminierte Baugrund, denn bis in die 1950er-Jahre befand sich an dem Standort eine Gummifabrik.

80 Winterhuder dabei


In dem ansonsten dicht bebauten Mühlenkampkanal fühlen sich auch Graugänse wohl, wie eine Foto-Ausstellung in der Praxis von Tierarzt Karl-Lorenz Ottensmeyer belegt, die sich im Mühlenkamp 21 direkt gegenüber befindet. Sogar beim Brüten konnte der Veterinärmediziner die Vögel ablichten. „Es wäre schade, wenn die Vögel ihren Platz verlieren“, findet Ottensmeyer. Seiner Initiative haben sich rund 80 Winterhuder angeschlossen. In der Kritik steht vor allem auch ein fehlendes städtebauliches Konzept.

Profitgedanke statt Lebensqualität


„Hier ist eine Nachverdichtung von mehr als 50 Prozent geplant. Profitgedanke steht gegen Lebensqualität“, ärgert sich Thomas Voigt, der in der Körnerstraße lebt. „Der Bebauungsplan soll geändert werden, aber der Ausschuss befasst sich nicht mit der Infrastruktur und wie der Straßenverkehr damit zurecht kommt. Arbeiten die Behörden nicht zusammen?“, fragt sich Voigt. Auch an die in Aussicht gestellte, für Winterhude günstige Miete von unter neun Euro pro Quadratmeter mag die Initiative nicht so recht glauben, da keine Mietpreisbindung bestünde. Während CDU und Linke das Projekt kritisch sehen, begrüßen SPD und Grüne die Planungen. „Hamburg braucht dringend zusätzlichen Wohnraum. Nachverdichtung ist dabei der einzig sinnvolle Weg. Prinzipiell halten wir dieses Bauvorhaben an dieser Stelle für sinnvoll. Sollten sich aber aus den verschiedenen Gutachten neue Erkenntnisse ergeben, müssen vermutlich Anpassungen an der Planung vorgenommen werden“, so Michael Werner-Boelz, Vorsitzender der Grünen Fraktion Hamburg-Nord. Im Oktober 2009 beantragten die Grünen beim Stadtentwicklungsausschuss hinsichtlich des „schon jetzt hoch verdichteten Gebietes“ unter anderem noch „statt der geplanten vier Gebäude sollen nur drei entstehen“ und „Die Anordnung der verbleibenden Gebäude wird aufgrund des gewonnenen Freiraums neu geprüft. Eine ‚Tunnelwirkung‘ durch einander am Kanalufer gegenüberliegende hohe Gebäude soll vermieden werden.“

Öffentliche Sitzung am 18 Mai


Die Initiative sieht nun mit Spannung der öffentlichen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 18. Mai im Bezirksamt Hamburg-Nord entgegen und hofft auf viele kritische Besucher. „Wir möchten keinen Kompromiss. Wir möchten, dass der B-Plan nicht geändert wird“, stellt Karl-Lorenz Ottensmeyer klar und stellt daher als möglichen nächsten Schritt ein Bürgerbegehren in Aussicht.

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