Optik Wettwer in Winterhude schließt

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Inge Wettwer unterstützte ihren Mann Klaus im „Ein-Mann-Betrieb“ nach Kräften Foto: Haas
Hamburg: Dorotheenstraße 174 |

Ältestes inhabergeführtes Geschäft der Dorotheenstraße ohne Nachfolger

Von Waltraut Haas
Winterhude
Seit fast 40 Jahren ist er hier tätig. Zum Jahresende will Klaus Wettwer, 71, sein Geschäft an der Dorotheenstraße 174 schließen. Leider fand sich kein Nachfolger. Inhabergeführte Geschäfte wie Optik Wettwer werden immer rarer. An der Dorotheenstraße ist es zudem das am längsten bestehende Geschäft: Eröffnet wurde es 1957, Klaus Wettwer übernahm die Nachfolge 20 Jahre später. „In der Geschäftswelt heute herrscht eine seltsame Uniformierung. Darunter leidet auch das individuelle Verhältnis zu den Kunden“, beobachtet Klaus Wettwer. Früher musste er eine wirtschaftlich schwierige Zeit überwinden. „Es gab Höhen und Tiefen. Vor allem der Anfang hier war nicht so witzig“, erinnert sich Inge Wettwer, die ihren Mann nach Kräften unterstützte. Damals krabbelten auch zwei Babies im Laden. Der Sohn ist heute 39, die Tochter 35 Jahre alt. Und der Kampf gegen rote Zahlen ist längst Geschichte. „Aber 14 Tage Urlaub im Sommer waren immer drin“, sagt der Optikermeister. Im Ein-Mann-Betrieb bildete er auch einen Lehrling aus.

Hochkonjunktur im Geschäft

Jetzt herrscht bei Optik Wettwer noch einmal Hochkonjunktur. Viele Stammkunden aus nah und fern nutzen noch die Gelegenheit zur Prüfung ihrer Sehstärke, lassen sich beraten bei der Wahl von Augengläsern und Fassungen und decken sich ein mit neuen Brillen oder auch aus der Sammlung von Unikaten, Antik- und Retro-Brillen. „Die netten Gespräche mit meinen Kunden werde ich vermissen“, bedauert der gebürtige Hamburger, der immer Zeit fand für einen Klönschnack – mit spannenden Einblicken in eine große Bandbreite von Berufen. Ob Schlosser, Lehrer, Arzt oder Pastor: Sie alle brauchten ja den besseren Durchblick. Ab 2017 sind Dioptrien und Refraktionen für ihn Vergangenheit – was kommt dann?
„Erstmal reisen.“ Klaus und Inge Wettwer schwärmen von einer Weintour durch die Pfalz. Nach dem Winter warte der Garten, ebenso das Surfbrett. Und die Oldtimer – besonders die kleine Isetta mit Einstieg vorne, Baujahr 1958, die öfter vor dem Geschäft parkte. Vor 25 Jahren rettete der Optiker die „Knutschkugel“ vor der Schrottpresse, jetzt muss sie wieder mal überholt werden.

Ehrenamt „Turmwart“

Zudem versieht Klaus Wettwer ein außergewöhnliches Ehrenamt: Als „Turmwart“ der Bramfelder Osterkirche betreut er die mechanische Turmuhr, kümmert sich um die Zeitumstellung und übernimmt kleine Reparaturen. Sein Ruhestand scheint rundum ausgefüllt.
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