Präzisionsarbeit mit Tradition

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Lupen mit bis zu zehnfacher Vergrößerung kommen für die Präzisionsarbeit zum Einsatz Foto: flü
 
Georg Kramer mit seinem Uhrmacher Sezgin Yavuz (41) Foto: flü
Hamburg: Gertigstraße 25 |

Seit 55 Jahren repariert Uhrmachermeister Georg Kramer Uhren in der Gertigstraße

Von Miriam Flüß
Winterhude
Sein Werkzeug ist Georg Kramer heilig: „Jeder Uhrmacher braucht sein eigenes Werkzeug. Meine Pinzetten darf kein anderer anfassen!“ Das gilt seit fast 70 Jahren, denn der Uhrmacher-Meister arbeitet mit Werkzeug, das er während seiner Lehre selbst hergestellt hat. Und diese begann im Jahr 1948 im hessischen Idstein. Seit 55 Jahren hat Georg Kramer sein Geschäft mit Werkstatt in der Gertigstraße und ist damit wohl Deutschlands ältester noch aktiver Uhrmacher. Das legt seine Lehrzeit nahe, denn sein Alter – auch da hat der freundliche Uhrmachermeister seine Prinzipien – möchte er nicht verraten. Zur Reparatur alter mechanischer Uhren, Chronographen, Flieger- und Taucheruhren ist neben altem Werkzeug, Fingerspitzengefühl, viel Geduld und Leidenschaft vor allem Jahrzehnte lange Erfahrung gefragt: „Den Umgang mit alten Uhren muss man beherrschen“, weiß Georg Kramer. „Ich mache vieles, was andere gar nicht mehr können.“ Und das ist oft zeitaufwendig.

Kunden aus aller Welt


Nicht selten sitzt der Uhrmacher bis Mitternacht in der Werkstatt, der Sonntag ist der Werkzeugpflege vorbehalten. Gerade bei Erbstücken, die einen eher ideellen Wert besitzen, übersteigen die Reparaturkosten dann den Wert der Uhr. „Früher war es rot und einfach hier in der Gertigstraße. Meine Kunden von der Alster sagten wir gehen mal eben ins Dorf, wenn sie zu mir kamen.“ Doch die Kunst Kramers, in der sich alte Technik mit modernem Know-how verbindet, ist längst weltweit gefragt. Zu seinen Kunden gehören zahlreiche Piloten, der ehemalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower gab seinen Rolex Chronographen in Kramers Hände. „Gerade war ein Ehepaar aus Australien mit einer silbernen Taschenuhr hier, für die ich eine Unruhewelle anfertigen musste.“ Jede Uhr hat eine Seele – und stellt bei der Reparatur eine neue Herausforderung für den Uhrmachermeister dar. Sogar im Museum ist seine Handwerkskunst zu bewundern: „Für das Auswanderermuseum BallinStadt musste das Glas einer 160 Jahre alten goldenen Taschenuhr ersetzt werden. Es war schwierig, das Originalglas zu finden. Dieses muss genau passen und in den filigranen Glasrand gedrückt werden. Die Gläser gehen dabei oft kaputt. Dann entdeckte ich einen Fussel unter dem Glas und musste es noch einmal heraus nehmen. Es war kompliziert aber hat geklappt. Nun liegt die Uhr unter Panzerglas“, freut sich Kramer.

Taschenuhr im Kommen


Als in den 1970er Jahren die Quarzuhren ihren Siegeszug antraten verdrängten sie die mechanischen Zeitmesser. „Seit 1995 erlebte die mechanische Uhr eine Renaissance und nun ist die Taschenuhr wieder im Kommen“, freut sich Georg Kramer. „Wenn man die Technik und genaue Verarbeitung sieht, bekommt man eine Gänsehaut. Früher wurden tolle Uhren gebaut. Die Mechanik ist wie ein schönes altes Auto.“ Alte Uhren und alte Autos passen zusammen, findet Georg Kramer. Oldtimer sind deshalb seine weitere große Leidenschaft. Die passenden Paarungen sind auf einem Plakat in seinem Büro zu finden. So ist eine Breitling Navitimer etwa die richtige Partnerin für einen Mercedes 280 SL, zum Audi Quattro wird eine IWC Ingenieur empfohlen.

Überraschungsfeier zum Jubiläum


Oldtimer und Uhren gingen auch auf der Jubiläumsfeier zu Ehren des Uhrmachermeisters eine Verbindung ein: Georg Kramers Mitarbeiter organisierten eine Oldtimer-Rallye mit 34 Teilnehmern, die an Werkbänken ihr Geschick in der Reparatur unter Beweis stellen mussten. Maßgeblich an der Überraschungsfeier beteiligt war Uhrmacher Sezgin Yavuz, der sich mit seiner Tätigkeit für Georg Kramer einen Traum erfüllt hat: „Sechs Mal habe ich mich beim Meister beworben, bis er vor sechs Jahren endlich ja gesagt hat. Er wollte niemanden in seine Werkstatt lassen“, erzählt der 41-jährige. Yavuz ist dankbar, von Kramers Erfahrungsschatz lernen zu dürfen. Die Werkzeuge des Meisters sind jedoch nach wie vor tabu für ihn.

Weitere Infos: Uhrmachermeister Georg Kramer
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