"Wer profitiert von dem Abriß?"

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Die skulpturale Post-Pyramide - ehemals Oberpostdirektion Hamburg - in der City Nord
Hamburg: City Nord |

Unter meinem Beitrag "Tag der Bürger" ? wurde mittels der Kommentarfunktion eine Frage gestellt, deren Antwort ich hier gerne für alle Leser des Hamburger Wochenblatts zur Verfügung stelle.

Die Frage, wer von dem Abriss der Post-Pyramide und der Neubebauung des Areals profitiert, ist leicht zu beantworten: Die Spekulanten und keinesfalls die Bürger.

Wie in vielen anderen Fällen in unserer Stadt, versuchen Politik, Verwaltung, Investoren und befangene Medienvertreter uns auch im Fall der ehemaligen Oberpostdirektion Hamburg in der City Nord davon zu überzeugen, dass der Abriss im Interesse der Bürger ist. Da ist dann immer von "dringend benötigten und bezahlbaren Wohnraum" die Rede. Dass dieser auch im Bestand, also mit der Post-Pyramide, zu entwickeln ist und das für den Endverbraucher sogar die schnellere und günstigere Variante wäre, verschweigt man dem Bürger. Hinzu kommt das "Feigenblatt" der geförderten Wohnungen, die zu einem Drittel in jedem Neubauvorhaben entstehen sollen. Klingt erst einmal gut. Wenn man aber weiß, dass von diesen geförderten Wohnungen in der Regel 'nur' ein Drittel auf dem 1. Förderweg (6,20 €/qm) und zwei Drittel auf dem 2. Förderweg (8,30 €/qm) realisiert werden und diese Preise 'nur' für 15 Jahre verbindlich sind, sieht man die Sache schon etwas anders. Zudem kommt das Problem, dass dann die freifinanzierten Mietwohnungen und Eigentumswohnungen sehr teuer ausfallen, da sie die 'Verluste' durch die geförderten Wohnungen abfangen müssen. Quersubventionierung nennt man das. Auch wenn es dann einen großen Leerstand geben wird, weil mehr als die Hälfte der Hamburger Bevölkerung auf Wohnraum zu Preisen wie im geförderten Segment angewiesen ist und für die, die es sich leisten könnten, das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt, ist es für die Investoren immer noch ein lukratives Geschäft. Schließlich gibt es noch die Gewerbeflächen, die zu 30 Prozent auf dem Areal entstehen sollen. Das ist natürlich auch sehr sinnvoll. Zuerst ein nicht mal 40 Jahre altes und sanierbares Bürogebäude abreissen, um dann ein neues zu bauen. Noch leben wir im Überfluss und können aus dem Vollen schöpfen. Das die Ressourcen immer knapper werden und die uns nachfolgenden Generationen das ausbaden dürfen, was wir heute verbauen, interessiert keinen. Aber das geht über die Frage hinaus und wird deshalb auf einem anderen Blatt stehen.
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