Wiedereröffnung des U-Stores Lattenkamp

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Die plötzliche Schließung im letzten Jahr kam überraschend für Fahrgäste und Anwohner. Nun werden hinter noch verschlossenen Türen die Renovierungsarbeiten aufgenommen.

„Zurückbleiben bitte“! Ein kurzer Satz, der U-Bahn-Fahrgäste in Hamburg seit jeher angespornt hat wie kaum ein anderer. Die vorsorgliche Warnung aus den Lautsprechern galt für Viele als Startschuss zum Bahnsteig-Sprint, der mit einem mehr oder minder eleganten Sprung zwischen sich schließende Türen endete. Mittlerweile ermuntert ein durchdringender Pieps-Ton zu sportlichen Leistungen, die gleichwohl eine angemessene Stärkung erfordern. Da trifft es sich gut, dass fast alle der rund 91 U-Bahn-Stationen Hamburgs mit einem oder mehreren Kiosken ausgestattet sind. Mit einem breit angelegten Angebot an Back- und Tabakwaren, Snacks und Getränken sowie Zeitschriften und der aktuellen Tagespresse versorgen sie Fahrgäste und Passanten mit der passenden Wegzehrung.

So auch an der U-Bahn-Station Lattenkamp - bis zur jähen Einstellung des Betriebes im Oktober letzten Jahres. Seit 2002 hatten Hasan Höke und sein Team den Store geführt und nicht nur tagsüber für laufenden Betrieb gesorgt, sondern die Nacht auch mal zum Tag gemacht, wenn sich scharenweise Konzertbesucher auf den Weg zur nahegelegenen Sporthalle Hamburg machten. „Es hieß plötzlich von ihm, heute sei sein letzter Tag“, sagt T. Billerbek, der in der Nähe der U-Bahn wohnt. „Das war eine sehr nette Mannschaft, wir haben dort häufig eingekauft. Ich wurde an Silvester mal mit Berlinern gerettet, die habe ich nirgendwo anders mehr bekommen!“, erinnert er sich. Warum der Kiosk von einem Tag auf den anderen schloss, weiß keiner der Anwohner so recht. Auch Nils D. nicht, der sich über die abrupte Stilllegung wundert, weil dort stets so viel los gewesen sei. „Ist natürlich schade, dass er weg ist. Ich habe da immer mein Frühstück und die Zeitung besorgt.“, erzählt der 33-Jährige.
Der momentan geschlossene Laden wird wie etwa 45 andere Haltestellen-Kioske bundesweit von der Valora Retail Deutschland unterhalten, die auch Marken wie k Presse + Buch und tabacon unter sich vereint. Seit einigen Jahren pachtet Valora die Geschäfte im Rahmen einer Franchise-Partnerschaft von der Hamburger Hochbahn. Wiederum untervermietet werden sie an diverse Betreiber - ein simples Konzept, das sich scheinbar bewährt. Die sogenannten U-Stores ähneln sich stark in Aufbau und Design, das Sortiment ist weitestgehend einheitlich. Vorgegeben sei als Rahmenkonzept relativ viel, erklärt Franchise-Zuständiger Kai Beuermann von Valora Retail. Dies betreffe nicht nur die angebotene Verpflegung, sondern auch etwa Hygienevorschriften und Öffnungszeiten.

Zur überraschenden Beendigung des Mietverhältnisses mit Höke am Lattenkamp kam es, obwohl dessen Mietvertrag ursprünglich bis 2018 lief. Der ehemalige Mieter nennt geplante Änderungen von geschäftsinternen Strukturen seitens der Valora Retail als Auslöser für die vorzeitig erfolgte Kündigung. Dies habe vor allem Neuerungen bezüglich Ladenkonzept und Belieferungslogistik betroffen, deren Umsetzung zu sehr von seiner Eigenplanung abgewichen wäre. Abgesehen davon habe die Miete keine ideale Geschäftsgrundlage mehr geboten. „Innerhalb von zwölf Jahren Tätigkeit haben sich die Mietkosten von knapp 3.000€ auf über 10.000€ erhöht, also mehr als verdreifacht.“, so Hasan Höke. Die Hochbahn als Eigentümer und Initiator möchte sich derweil nicht zu der Kioskschließung äußern.

Ob koffeinstarker Wachmacher oder Feierabendbier - ohne den U-Store fehlt jedenfalls etwas, da sind sich alle einig. Dass dies aber kein Dauerzustand bleiben soll, ist seit einigen Tagen deutlich sichtbar: Nach monatelangem Leerstand gehen die Lichter wieder an und Handwerker machen sich mit Kacheln, Kabeln und Möbeln beladen an die Renovierung des Ladens, der von einem neuen Betreiber übernommen wird. „Am Lattenkamp entsteht ein sogenannter Muster-Standort“, schildert Valora Retail-Mitarbeiter Kai Beuermann. „Unter anderem wird es ein neues Kaffee-Konzept mit eigener Bar und Zapfstellen geben, und einen Hotdog-Bereich, der bereits an anderen Niederlassungen gut angekommen ist.“ Der neue Store, der jüngste Ideen an die Kunden bringt und dabei gleichzeitig eine Marktforschungsfunktion einnimmt, soll Mitte März eröffnet werden.
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