Winterhude: Natur statt „Betonwüste“

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Wehren sich gegen die Nachverdichtung: Karl-Lorenz Ottensmeyer, Thomas Voigt und Alexander Holliday (v.l.n.r.) von der Initiative SOS-Mühlenkampkana Foto: flü
 
Bettina Frühauf, Jochen Müller, Dr. Karl-Lorenz Ottensmeyer und Thomas Voigt (v.l.n.r.) Foto: privat
Hamburg: Dorotheenstraße 10-16 |

Initiative SOS Mühlenkamp startet Bürgerbegehren gegen Nachverdichtung

Von Miriam Flüß
Winterhude
In der Dorotheenstraße 10 - 16 sollen auf der Grünfläche vor den drei Hochhäusern, die bereits 1961 gebaut wurden, 109 neue Wohnungen entstehen (das Wochenblatt berichtete). Obwohl die Mieten mit unter neun Euro pro Quadratmeter deutlich günstiger werden sollen als im Stadtteil üblich, regt sich Widerstand gegen die Planungen der Robert Vogel GmbH und Co. KG.

Initiative braucht 6000 Unterschriften

Die Bürgerinitiative SOS-Mühlenkampkanal startete nun ein Bürgerbegehren: „Wir haben das Ziel, einen Bürgerentscheid gegen das Bauvorhaben zu erzielen. Dafür sind 6000 Unterschriften notwendig“, erklärt Karl-Lorenz Ottensmeyer, Sprecher der Bürgerinitiative. „Eine Nachverdichtung an diesem Standort wäre eine große Belastung für den Stadtteil. Die Natur müsste einer Betonwüste weichen. Hier würde viel Grün vernichtet, das in einem schon dicht bebauten Quartier dringend benötigt wird. Auch die Graugänse, die hier ihre Brutplätze haben, würden vertrieben.“

Massive Verschattung

Außerdem würden die neuen Gebäude viel zu dicht an die bestehenden Hochhäuser gebaut. Das bedeute für die Bewohner massive Einschränkungen in ihrer Lebensqualität, begründet die Initiative ihren Schritt. Dabei zeigt sie sich kompromisslos: Die Robert Vogel GmbH hatte ihren Entwurf noch einmal überarbeitet, statt der ursprünglich geplanten 120 Wohnungen sollen nun 109 entstehen in sieben- statt achtgeschossigen Gebäuden. Die Häuser wurden außerdem zwei Meter nach hinten versetzt: „Durch die neue Position der Baukörper sowie ihre verringerte Höhe wird auch eine mögliche Verschattung auf der gegenüberliegenden Seite des Mühlenkampkanals aufgelöst“, so Lars Hansen, Geschäftsführer der Robert Vogel GmbH und Co. KG.

CDU-Bezirkspolitiker ist Abweichler

Das überzeugt Bernd Kroll nicht: „Der Mühlenkampkanal, der besonders am Wochenende stark von Stand-Up-Paddlern, Kanuten und Tretbootfahrern genutzt wird, wird massiv verschattet“, befürchtet der CDU-Bezirkspolitiker, der mit seiner Haltung von seiner Fraktion abweicht, die das Projekt grundsätzlich befürwortet. „Wir müssen nachverdichten. Aber das müssen wir hier im Quartier besprechen. Das kann kein Investor machen“, sagt Kroll und unterstützt deshalb das Bürgerbegehren, dessen Ziel die Erhaltung des Bebauungsplanes Winterhude 18 mit Festsetzung eines Allgemeinen Wohngebietes und einer Wegeverbindung zwischen Sierichstraße und Gertigstraße mit Brücke über den Mühlenkampkanal und den vorhandenen Freiflächen ist. „Die bisher geplante öffentliche Wegeverbindung mit Fußgängerbrücke über das Gewässer soll gestrichen, die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden“, kritisiert die Initiative, die für das Zustandekommen des Bürgerbegehrens innerhalb von sechs Monaten nach der Anzeige beim Bezirksamt in Bezirken mit mehr als 300.000 Einwohnern zwei Prozent der wahlberechtigten Einwohner das Begehren mit ihrer Unterschrift unterstützt haben. „Hamburg und vor allem Stadtteile wie Winterhude brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum. Nur mit Projekten wie dem Dorotheenkai, die gegen die Wohnungsnot wirken, kann die Stadt nachhaltig für alle lebenswert bleiben. Ich bin überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger diese Notwendigkeit sehen“, nimmt Lars Hansen zu dem Bürgerbegehren Stellung.

Bezirksamt ist nicht überrascht

Wenig überrascht zeigt man sich im Bezirksamt Hamburg-Nord von der Aktion: „Bauprojekte können, so wie dieses, durchaus gut für ein Quartier oder einen Stadtteil und für Wohnungssuchende sein. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass engste Nachbarn das auch so sehen wollen. Insofern sind Bürgerbegehren heutzutage kaum noch eine Überraschung. Ob hier die rechtliche Zulässigkeit vorliegt, wird derzeit von den Juristen geprüft“, so Bezirksamtsleiter Harald Rösler (SPD). Weiter rät er: „Grundsätzlich sollte man sich vor der Unterschrift ein eigenes Urteil über Ziel des Begehrens und die einhergehenden Behauptungen bilden“.

Weitere Infos: Initiative SOS Mühlenkampkanal

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